Pilze sammeln hat für mich bereits seit meiner Kindheit eine ganz besondere Bedeutung. Schon meine Urgroßmutter hat mir in einem an ihrem Haus nahe gelegenen Wäldchen die besten Plätze gezeigt, wo Pfifferlinge wachsen. Später ging ich Jahr für Jahr mit meinen Großeltern dieser Tätigkeit nach. Sie beide hatten einen nahezu unerschöpflichen Wissensvorrat und erklärten mir geduldig, was sich für den Kochtopf eignet und was man lieber nicht anfassen sollte. Die Hälfte des Wissens ist im Laufe der Jahre, in denen ich dieser Beschäftigung nicht mehr nachging, leider verloren gegangen. Die Sorten aber, die mir ins Fleisch und Blut übergegangen sind, kann ich heute aber noch genauso gut bestimmen, wie damals.
Als Heike, eine liebe Leserin, meinen letzten Post (HIER) kommentierte, stellte sie mir eine rhetorische Frage, die ich innerlich mit einem Mehrfach-Ja beantworten konnte: Selbstgesammelte Lebensmittel haben schon einen ganz besonderen Stellenwert, nicht wahr? Ja, liebe Heike! Ja, ja, ja!!! Doch je mehr ich über diese Frage nachsann, desto mehr wurde mir bewusst, dass sich für mich hinter all den Ja's viel mehr verbirgt.
Zum einen ist es eine fast wehmütige Erinnerung an eine wunderbare Zeit mit den besten und liebevollsten Großeltern der Welt. Für mich war es damals Spaß - für sie jedoch über viele Jahre ihres Lebens eine existenziell notwendige Überlebenstrategie, sich und die eigene Familie von dem, was die Natur uns gibt, ernähren zu können. Und das Wissen darüber, dass es geht, dass man es tatsächlich schaffen kann, das ist ein so würdevolles und erhabenes Gefühl.
Wenn ich heute mit meiner Familie den Wald nach Essbarem durchstreife, packt mich dieses Gefühl immer wieder auf's Neue. Es macht mich glücklich zu wissen, dass wenn es jemals hart auf hart käme, ich es auch könnte - das gibt mir eine schier unbändige Lebenskraft. Und das Wissen, dass meine Kinder es mittlerweile auch könnten, gibt mir einen tiefen seelischen Frieden.
Dem Vorgang an sich ruht jedoch auch ein ganz besonderer Zauber inne. Er ist fast meditativ. Man durchforscht den Wald, konzentriert sich auf die Aufgabe, vergisst alle Probleme, blendet alle anderen Gedanken aus, kommt innerlich zur Ruhe und erntet am Ende im wahrsten Sinne des Wortes lauter Glücksgefühle.
Was auch immer dieser Vorgang des Sammelns in sich birgt - für mich ist das pure Magie, so urtümlich und unverfälscht, wo einem ganz stark bewusst wird, ein Teil des Großen Ganzen zu sein.
Kennt Ihr vielleicht auch diese Augenblicke?
Unser kostbares Waldgut habe ich dieses Mal zu Blätterteigpilzen verarbeitet. Damit Ihr in den gleichen Genuss kommt wie wir, müsst Ihr zuerst Eure schönsten und trockensten Pilze trocknen. Das funktioniert am besten mit solchen Pilzen, die nicht allzu groß sind. Ich habe unsere Hütchenmänner in Stücke geschnitten und mehrere Tage an einem warmen Ort gelagert. Im Klartext bedeutet es: Auf einem Holzbrett direkt über der Heizung! Zwischendurch habe ich sie mehrfach gewendet, damit sie gleichmäßig trocken werden.
Beim Kochen verwende ich am liebsten getrocknete Waldpilze. Der Trocknungsvorgang nimmt ihnen diesen leicht schleimigen Zustand, den sie oftmals beim Kochen bekommen - und - sie bleiben unglaublich aromatisch.
Blätterteigpilze mit einer Waldpilzfüllung
für 4 große Pilze braucht Ihr:
2 frische Blätterteigrollen
mindestens 20 g getrocknete Waldpilze
1 große rote Zwiebel
etwas Olivenöl
einen ordentlichen Schuss Sahne
80 g Taleggio-Käse
etwa 120 g Speck in Scheiben
einige Petersilienblätter
Salz, Pfeffer
Die Pilze vor dem Kochen unbedingt waschen und mit einer gehackten Zwiebel in Öl anbraten. Einen ordentlichen Schuss Sahne hinzufügen, salzen und pfeffern und ca. 20-30 Minuten köcheln lassen. Dabei die Sahne verkochen lassen.
Aus dem Blätterteig je nach Lust und Laune 8 gleich große Pilze ausschneiden. Wer keine Lust darauf verspürt, kann einfach Rechtecke machen. Den Käse in 8 Teile zerschneiden. Mit einem EL das Pilz-Zwiebel-Gemisch auf etwa 8 Speckscheiben verteilen, darauf ein Käsestück legen und mit den Petersilieblättern bestreuen. Anschließend die Speckscheiben zusammenrollen und auf 4 Blätterteigpilzen sowohl im Pilzhut als auch im Pilzstiel platzieren. Mit den restlichen 4 Blätterteigpilzen belegen und die Seiten fest andrücken.
Im Ofen ca. 20 Minuten bei 180 Grad backen.
Ich verspreche Euch einen äußerst aromatischen Genuss. Ihr könnt auch ein bisschen variieren, indem Ihr beispielsweise den Speck weglasst. Die Kids haben Hand auf Bein geschworen, dass diese Variante auch sehr lecker ist ;)!
Ich wünsche Euch einen wundervollen Sonntag!


































